Announcement for no Buffy conference

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Einladungstext für eine nicht stattgefundene Buffy-Konferenz in beta-version

Es gibt in den letzten zehn Jahren Weniges, was das Leben in westlichen Industriestaaten wesentlich verändert hätte. Das Internet gehört sicherlich dazu, der “Islamische” Terrorismus in fieser Weise, sicher nicht Schröder oder Merkel, oder vielleicht irgendwie doch, wegen Hartz 4; ganz sicher aber eines: Buffy the Vampire Slayer. Für diejenigen, die die Serie von Joss Whedon kennen und lieben lernen durften, war eine neue Welt entstanden, bei der schwer zu sagen ist, ob sie ein Teil der Realworld, oder nicht anders herum diese ein Teil des Buffyverse geworden ist. Für Fans der Serie sind Buffy und ihre Freunde kaum mehr aus der persönlichen Lebensgestaltung wegzudenken. “When it’s dark and I’m all alone and I’m scared or freaked out or whatever, I always think, ≫What would Buffy do?≪” (Xander in BtVS 4.1) So oder so ähnlich geht es heute wohl den meisten Fans. Dabei geht es natürlich nicht darum, Buffy als Lebensratgeberin in Anspruch zu nehmen, dafür ist auch die oft zu doof, sondern um neue Wege, die Reflexionen gehen: durch Buffy hindurch eben, und nicht nur durch sie, durch den einen Charakter, sondern durch die ganze Serie.

Nun scheint das ja nichts Außergewöhnliches zu sein, sondern der ganz normale Umgang mit Popkultur. Man nimmt sich eine Serie, projiziert eine Menge hinein, und verliebt sich in die Charaktere, mit denen man sich dann wieder identifiziert und sie in sein Selbstbild oder sein Lebenskonzept einbaut. So weit mag das auch stimmen, entscheidend ist nur, dass die Identifikation nicht immer die gleiche ist. Buffy ist schon deshalb eine tollere Identifikationsfigur als etwa Mary Jane aus Spiderman, die zwar eigentlich am Anfang ziemlich toll und eigenständig ist, aber doch alles aufgeben würde für den Prinzen, auf den sie wartet, oder Susan Mayers aus Desperate Housewives, die von starken Männern gerettet werden muss, – weil Buffy ein fortschrittlicheres Frauenbild verkörpert, “liegt es doch tagtäglich an ihr, die Welt zu retten, ganz im Sinne […] ihrer launigen Grabinschrift ≫She saved the world. A lot≪”. (K. Lenzhofer, Chicks Rule!) Gottseidank tauchen solche Frauen heute immer mehr im Fernsehen auf. Das Miese ist nur der bittere Beigeschmack, den manche dieser starken Frauen hinterlassen, nicht, weil sie Frauen sind, oder stark, sondern weil ihre Stärke kein Problem für ihr Leben ist. Und das wirkt, zumindest in unserer Welt, schlicht und einfach falsch. Zwar kriegt auch Xena mal Probleme, die liegen aber nicht daran, dass sie stark sein muss, sondern daran, dass sie einmal böse war. Und genau das unterscheidet Buffy von ganz vielen anderen Heldinnen: Denn der “launige” Spruch über die häufige Rettung der Welt steht auf ihrem GRABSTEIN und ist damit gar nicht mehr launig. Buffy scheitert an ihrem Leben als Kämpferin, stirbt, und damit nicht genug, wird aus dem Paradies vertrieben und muss ein hässliches Weiterleben führen. Was bei den ganzen freudigen Aufrufen, doch stark zu sein, dauernd vergessen wird, ist, dass Kämpfen zwar besser ist als Aufgeben, wenn nun einmal gekämpft werden muss, dass das aber trotzdem nichts Gutes ist, sonder ein trauriges Schicksal, das eben in gewisser Hinsicht überhaupt nicht selbstbestimmt ist, sondern aufgedrückt von einer feindlichen Welt. Man muss sich verhärten und seine Wünsche drangeben, sein Leben in zwei teilen und die eine Hälfte der anderen schlicht unterordnen. Buffy scheitert immer wieder und zunehmend brutal dabei, ein normales Mädchen sein zu wollen und damit in ihrer gesamten Konzeption als Privatperson.

Vielleicht würden schlechte Marxisten oder noch schlechtere Adorniten jetzt sagen, dass das ja auch alles kein Problem ist, weil die Wünsche, die aufgegeben werden, sowieso nur bürgerlicher Scheiß sind, den zu überwinden ja eben die Aufgabe sei. Das Problem ist, dass in dieser Welt bei der individuellen Überwindung bürgerlicher Subjektstrukturen häufig genug nur Leere bleibt. Und das ist etwas ganz anderes als Adorno und Marx sich unter bestimmter Negation vorstellen. Klar will Buffy auch einen Prinzen - wie Mary Jane, und man kann ihr nur wünschen, dass sie in in The Immortal“ in Rom auch endlich gefunden hat. [Inzwischen ist leider klar, dass das nicht der Fall ist, Anm. d. Red.] Würde es ihr aber helfen, sich zu verbieten, einen Prinzen zu wollen? Wohl kaum. Die Frage muss doch viel eher sein, wie man damit umgeht, welche Wünsche man hat. Und genau dieser Umgang wird in Buffy dargestellt in ganz besonderer Weise, und verdammt anders als bei Xena. Eine Lösung wird dabei am Ende der siebten Staffel angedeutet, darin nämlich, dass ein angemessenes Leben nicht ALLEIN gegen die Welt, sondern nur in vernünftiger Kooperation zu erreichen ist. Entscheidend ist aber nicht nur dieses Ende, das man auch theoretisch darstellen könnte, sondern wie genau das Scheitern aussieht, wie die Lösungsversuche wiederum scheitern, und wie es trotzdem weiter gehen muss. Entscheidend ist die bestimmte Durchführung des Problems, und die ist eben nicht einfach von einer Theorie zu geben, sondern das ganz spezifisch irreduzible Asthetische, das keine Theorie der Welt ersetzen kann. Und genau das ist es, womit sich zu identifizieren etwas ganz anderes ist als die Identifikation mit bloß erfolgreichen Frauen und natürlich erst recht als die mit Susan Mayers.

Deshalb kann es auch nicht darum gehen, Buffy als Beispiel für irgendwelche Theorien abzuhypen, wie es ein Großteil der Buffy-Studies tut. Im Gegenteil eröffnet Buffy Neues, über das zu reflektieren es ergänzen, aber nicht ersetzen kann.

Was in Buffy dabei klar wird, ist aber auch etwas uber das Bestehende hinaus. Wenn nämlich wie bei Buffy das reale Leben in der Gegenwart notwendig Horror ist, kann auch nicht Buffy, kann auch nicht die größte Heldin alles retten, was zu retten ist. So wie in der letzten Folge der Serie eine große Menge von Mädchen zu Slayern wird, und nur so das Böse besiegt werden kann, steht gesellschaftlich noch eine Rettung aus, die vielleicht bei Weitem Böseres als das Urböse zu uberwinden hat, nämlich die gegenwärtige Verfasstheit der Wirklichkeit, beziehungsweise dasjenige, was sie maßgeblich strukturiert. Das lernt man nicht aus Buffy, aber bei Buffy ist wie nirgendwo sonst dargestellt, wie es einem damit geht, warum alle Lösungsversuche so hoffnungslos sind, und dennoch nötig; warum man sich nicht selbst vergessen darf in seiner politischen Arbeit, weil es ja schließlich das ist, worum es uns geht. Um Menschen als Individuen, mit vernünftigen Zwecken und solchen, die weder mit Vernunft noch Unvernunft zu tun haben, um Menshcen, die endlich gesellschaftlich auch Individuen sein können, weil ihnen nicht mehr der ganze Haufen sich hinter ihren Rücken durchsetzender Scheiß im Weg steht. Und diese Darstellung geht eben nur mit Buffy, nicht mit Xena.

That’s what the conference is about.

comments to Announcement for no Buffy conference

k 22. July 2008, 16:17

thanks for the introduction.

if buffy is part of the pop culture industry and this pop culture industry is the remains of what was once bourgeois high culture - then buffy IS highly significant for contemporary culture, but then the different characters are interesting as stand-ins for relations produced by late, post-bourgois capitalism. none of them is progressively read as a projective foil but as figures of defeat - or of productive neurosis: Buffy, the newest member of the SPK!

(and yes, the world would indeed be better if she did not hope for a prince!)

Vickey Luangamath 27. October 2010, 17:21

Useful post. Have been trying to learn a new language on the net but not having much success, have been considering going to a local programme so this is helpful, thanks.

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